Atelier H. Brück

Einführung der Ausstellung in der Stadtkirche Lünen.

“Der Fünfzigste”

„Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und fragen: „Warum?" Ich träume von Dingen, die es noch nie gegeben hat, und frage: „Warum nicht ?" Diese Worte von George Bernard Shaw könnten als Lebensmotto des Künstlers Heinz Brück gelten, der in Lünen lebt. Bereits als Ingenieur nahm er Dinge und Verfahren in die Hand, die andere glatt abgelehnt hatten: für zu schwierig erachtet hatten - er aber löste diese Probleme. Ja, er hatte direkt ein großes Vergnügen an diesen Problemzonen. Und in der Malerei - dem zweiten Leben - das Brück jetzt seit 1999 lebt, geschieht ähnliches. Man kann geradezu seine Vervollkommnung innerhalb der Disziplin verfolgen; innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich hier die immer schon vorhandene Begabung und paart sich mit dem energischen Dranbleiben und wächst sich so zu beachtlichen Resultaten aus. Als die Frage im Raum stand "Möchten Sie eine Ausstellung in der evangelischen Stadtkirche St. Georg machen?" Da sagte er zu. Doch er stellt heute nicht einfach seine bisherigen Werke der Öffentlichkeit vor, sondern hat speziell für St. Georg auch zwei sehr inspirierende und aktuelle Arbeiten kreiert. Diese zwei großen Flyer greifen ein religiöses Thema auf: „Pentekoste" steht in großen Lettern auf dem ersten Gemälde. Der „fünfzigste" - der fünfzigste Tag. Nach Ostern ist Pfingsten: das Geschehen, an das wir uns heute erinnern - und zwar alle Christen ungeteilt.

Heinz Brück erinnert rückwärts gewandt zunächst mit der untersten Hälfte des ersten Bildes an den Karfreitag- den höchsten Feiertag der evangelischen Christen. Man erkennt den toten Christus, am Kreuz hängend, mit der blutigen Dornenkrone auf dem Haupte. Brück bringt zu der Malerei Worte ins Spiel die mit dem Ereignis korrelieren: „Es ist vollbracht". „Himmel und Erde zitterten". Und über diesem Teil des Gemäldes sieht der Betrachter die Apostel am Pfingsttage, über denen die Feuerzungen - der Heilige Geist - ausgegossen ist. Die Hoffnung hat letztendlich über alles Bangen und Zagen über die große Furcht und die tiefe Verlorenheit gesiegt.

Das zweite Gemälde zeigt die Krisenherde unserer Erde und mehrere anonyme Nachrichtensprecher. Wenn wir heute Nachrichten hören oder auch sehen, dann sind es in den meisten Teilen Schreckensmeldungen, die wir verarbeiten müssen. Gute Nachrichten sind selten. So gibt Heinz Brück auch verschiedenste Assoziationen für die Negativmeldungen an die Hand. Im oberen linken Feld erscheint der Heilige Geist und unten auf dem Flyer brennt sich das Wort in die Augen der Betrachter: „Frieden" doch mit einem Fragezeichen versehen!

Brück möchte in den Besuchern der Ausstellung etwas auslösen. Er will sie anregen zu eigenem Nachdenken und Nachspüren. So lässt er auch innerhalb der Interpretationen seiner Bilder einen großen Freiraum zur Auslegung. Nicht festlegen will er, sondern die freie Entfaltung zur Interpretation und Deutung. In dieser Attitüde gleicht er auch Tapies, der einmal sagte: „Wichtiger ist, dass der Betrachter dem Anstoß folgt., der, für ihn mehr oder weniger deutlich, seinen Geist in Schwingung versetzt. Die Kunst wirkt auf unsere allgemeine Sensibilität, nicht ausschließlich auf unseren Verstand."

Besonders liebt Heinz Brück die Auseinandersetzung mit Konflikt beladenen Themen unserer Zeit. Sie finden hier auch ein Bild, das erst gerade entstanden ist und sich besonders dein Thema „Jung und Alt" oder „Arm und Reich" zuwendet. Dieser Generationenkonflikt beziehungsweise die Schere muss entschieden werden. Die Farbe Blau auf dem Gemälde steht für Kontemplation und vielleicht auch für Vernunft, mit der dieses Problem eindeutig zu lösen und anzugehen wäre. Brück gibt aber nie exakte Antworten - seine Personen und Gestalten bleiben häufig im diffusen Raum stehen. So bleibt dem Betrachter das Nachdenken und Nachsinnen nicht erspart.

 

Auszug aus der Einführung der Ausstellung im Atrium Hagen

 “Neue Ansichten & Aussichten“

Die Bilder von Heinz Brück biedern sich dem Betrachter nicht an. Sie bedienen keinen vordergründigen Geschmack, sie richten sich nicht nach einer vermeintlich mehrheitsfähigen Meinung, sie folgen keiner konformen Ästhetik.

Die verschiedenen Motive sind mal mehr, mal weniger abstrakt. Auf einigen Bildern können wir unmittelbar Figuren und Objekte als solche identifizieren, erkennen, andere dagegen bleiben uns rätselhaft, symbolbezogen oder sogar völlig themenfern. Auf anderen wiederum erkennen wir Kreuze, Linien, Schriften und mitunter ja auch Personen, Landschaften, Gegenstände. Bisweilen kommt es zu Serien, wie beispielsweise jener mit dem roten Tuch, das in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen und Umständen immer wieder erkennbar wird.

Es gibt aber auch Bilder, die eine direkte, starke politische Haltung signalisieren. Eine fast trostlose Umgebung, in der ein Kind zum letzten, zum einzigen Lichtblick wird, mahnt uns. die eigene Gegenwart nicht länger leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Die Zahl 2005 auf einem anderen Bild erinnert an die letzte Bundestagswahl, ein Kreuz inmitten einer schwarz-roten Umgebung, die ihrerseits als unfertige Baustelle gedeutet werden kann: Ein Fluss scheint sich durch die Situation zu schlängeln und damit das permanente Werden und Verändern des politischen Gestaltens anzudeuten. Und wer mag, der kann schließlich vielleicht auch noch einen Zopf auf dem Bild ausfindig machen, sinnfälliges und augenzwinkerndes Indiz einer ersten Kanzlerin in unserem Land.

Heinz Brück ist ein expressiver Beobachter unserer Zeit und ihrer oft konflikt-beladenen Umstände. In und mit seiner Kunst reagiert der Maler unmittelbar darauf. Im Laufe der letzten Jahre hat sich Heinz Brück eine eigene, individuelle Kunstsprache entwickelt. In Kunstakademie, Seminaren und Kursen hat er sich geschult. Aber nicht etwa, um sich einer Schule anzuschließen, sondern um sich zu befreien, um die eigene innere Stimme besser hören und umsetzen zu können. Die Kunst, die Heinz Brück uns anbietet, ist auch das Produkt eines lebenslangen Erfahrens und Begreifens. Wenn schon nicht wirklich immer entspannt und heiter, so doch immerhin von einer gewissen Gelassenheit und Distanz gegenüber lärmender Hektik und übereiltem Aktionismus getragen. Bei aller Power, die Heinz Brück in den Malprozess einfließen lässt, bleibt doch stets auch genügend Platz für das Nachdenken und Innehalten, das Nachspüren und Prüfen des eigenen Standorts.

Die Landmarken, Hinweisschilder und Wegweiser. die uns Heinz Brück auf seinen Reisen ins kreative Innere zurücklässt, können und sollen nicht immer identifiziert und in ihrer letzten Aussage entschlüsselt werden. Wohl aber fügen sie sich zu kunstvollen Indizien, zu Landkarten mit teilweise ganz bewusst ungewissen Koordinaten. Natürlich geht es bei den Bildern vorrangig um die Seele desjenigen, der sie malt. Aber zugleich öffnet sich im Blick auf vermeintliche Geheimnisse des Künstlers zugleich auch manch Verborgenes in den individuellen Befindlichkeiten von uns Betrachtern. Wir müssen eben nur den Mut und die Bereitschaft zu dieser Öffnung entdecken, müssen uns vom Ballast der Vorurteile und eingefahrenen Sehweisen trennen. Dann, so denke ich, fällt es uns leichter und wird uns zum unmittelbaren Gewinn, angesichts der hier ausgestellten Kunst von Heinz Brück neue Ansichten und Aussichten zu erkennen, zu erfahren und schließlich vielleicht auch zu begreifen.

Einführung der Ausstellung in der Stadtgalerie Altena

„SYMBOLISCHE SPUREN“                                                                                                         

Der Versuch einer inhaltlich-thematischen Einordnung der Arbeiten von Heinz Brück ist im Grunde unerheblich. Bei einem ersten Rundgang durch diese Räume erkennt man teilweise gegenständlich-figürliche Elemente, die man eventuell benennen kann. Doch der Weg, ihnen eine ”Bedeutung" zuzuweisen, wird sogleich wieder verstellt bzw. tritt hinter die abstrakte Komposition aus Farbe, Form und Linie zurück. Heinz Brück setzt Kontraste. Hell - Dunkel, Schwarz - Weiß, Fläche – Linie satte dichte Farbigkeit neben lasierend durchscheinender Oberfläche. Gerade die Arbeiten, die uns zunächst „unlesbar" erscheinen, also kaum gegenständliche Elemente enthalten und keine Titelgebung präsentieren, bieten uns einen Weg der Betrachtung an, auf den wir uns einlassen sollten. Die Teile des Bildes deutlich im Verhältnis zum Ganzen sehen. Den Weg nachvollziehen, sehen, wo sich der Raum öffnet, wo er sich versperrt.Hindurchgehen und dahinter gehen und dableiben.Nicht nachlassen in der Intensität der Betrachtung. Es können sich neue, überraschende Möglichkeiten ergeben. Das bekannte Bild wird ein unbekanntes, das unbekannte Bild wird vertraut. Vorsicht vor der Gewöhnung.

Wolfgang Troschke, ein Künstler, der auch in meinem Gespräch mit Heinz Brück Erwähnung fand, beschrieb diesen Prozess folgendermaßen: Das Problem ist, zu einem unbenennbaren Ding zu kommen - wieder auf eine Ebene, wo ich mein abgelagertes Wissen ausschalten muss - wie in der Musik. Ein Bild muss nicht schön sein, aber es wird jeden, der sich darauf einlässt, an einen bestimmten Punkt bringen, und es verlangt, sich auf eine Verunsicherung einzulassen, auf die Mühe, sich einzusehen.“ (Zitate aus einem Gespräch mit W. Troschke vom 13. Mai 2005 Marburger Kunstverein). Fassen Sie bitte den Entschluss, sich dieser Führung durch die Formensprache der Arbeiten von Heinz Brück zu überlassen - vielleicht öffnet sich eine Sphäre, die diejenige der Malerei selber ist.

Einführung der Ausstellung in der Stadtgalerie Lünen

„so wie ich die Dinge sehe“

Wenn Sie gleich die einzelnen Werke betrachten, so lassen Sie sich von Ihrem inneren Impuls führen, denn dies ist auch die herangehensweise, in der Brück malt. Und er gleicht darin Antoni Tapies, der einmal sagte: "Wichtiger ist, dass der Betrachter dem Anstoß folgt, der, für ihn mehr oder weniger deutlich, seinen Geist in Schwingung versetzt. Die Kunst wirkt auf unsere allgemeine Sensibilität, nicht ausschließlich auf unseren Verstand." Heinz Brück setzt neben den Gesetzen der reinen Bildgestaltung im Künstler ein inneres dynamisches Moment voraus, eine emotionale Kraft, die ihn befähigt, eine eigene Entwicklung zu vollziehen, deren Ziel das Finden von gewissen individuellen künstlerischen Formeln ist, die sein spezielles Werk bedeutsam machen und ihm' auch einen festen Platz im bisherigen Kunstschaffen zuweisen. Die Intuition leitet den Künstler einerseits, aber auch langes Meditieren und Nachsinnen. In der Endform des Schaffensprozesses sind sie vielfach der Kontrolle seiner Empfindungen und seines, Verstandes entzogen.                                               Heinz Brück arbeitet mit nur wenig Skizzen; manchmal nutzt er Erinnerungszettel mit Strichmustern oder Farbangaben. Aber versuchen Sie, sehr verehrtes Publikum, nicht so sehr immer mit dem Verstand an diese abstrakte Kunst heranzutreten, sondern überlassen Sie sich vielmehr dem Bauchgefühl. Mit seiner Kunst möchte Heinz Brück verändernd, ja transformierend auf unsere Psyche einwirken – seine Kunst hat eine besondere Note, der man sich kaum entziehen kann. Antoni Tapies, dem sich Heinz Brück verbunden fühlt, sagte einmal: "Ein Gemälde ist nichts. Es ist eine Tür, die zu einer anderen Tür führt. Und die Wahrheit, die wir suchen, kann nie in einem Gemälde gefunden werden; sie wird lediglich hinter der letzten Tür erscheinen, die der Betrachter nur öffnen kann mittels seiner eigenen Bemühungen." Das Letzte dieser Dinge, meine sehr verehrten Damen und Herren, das haben Sie sicherlich auch sogleich beim Betrachten der Gemälde von Heinz Brück bemerkt, bleibt Geheimnis.